(03643) 59 40 8       täglich geöffnet von 08:00 – 23:00 Uhr

Die Geschichte des Residenz Cafè

1999 Kulturstadtjahr

Im Kulturstadtjahr 1999 ist anlässlich des 160-jährigen Jubiläums des „Residenz-Cafés“ ein Buch mit dem Namen „Resi – Das Residenz-Café – Weimars ältestes Kaffeehaus“ erschienen. Die Autorinnen Ulrike Sebert und Karen Schröder lassen in diesem 91-seitigen, reich illustrierten Buch 160 Jahre Weimarer Kaffeehausgeschichte sehr kurzweilig Revue passieren. Dieses Buch ist im Residenz-Café sowie in zahlreichen Weimarer Buchhandlungen erhältlich.

1992 Wiedereröffnung

1992 wurde das Haus sehr aufwändig saniert und neu gestaltet. Am 5. Oktober 1992 wurde es unter seinem ursprünglichen Namen „Residenz-Café“ wiedereröffnet und wird seitdem von einer Betreibergesellschaft geführt. Dass der geschäftsführende Gesellschafter aus Würzburg kommt, hat nichts mit dem Brief von Johann Wolfgang von Goethe zu tun, der 1808 an seine Frau schrieb: „… zugleich wünsche ich mir ein paar Würzburger …“ . Er meinte damit seinen
Lieblingswein, den „Würzburger Stein“. Das Café wurde nach der Wiedereröffnung sofort wieder zu einem der beliebtesten Treffpunkte in Weimar.
Schüler, Studenten, Politiker, Architekten, Touristen, Geschäftsreisende und viele andere treffen sich seitdem wieder im „Resi“ und für diese Mixtur an Gästen ist das Café weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Hier nur ein kurzer Auszug von Eintragungen prominenter Gäste in unseren Gastebüchern seit 1992: Hanna Schygulla, Lew Kopolew, Otto Sander, Dieter Hildebrandt, Gerhard Schröder, Michael Nyman, Günter Jauch, Wolfgang Thierse, Marla Glen, Udo Lindenberg, Leander Haußmann.

1949 Volkseigener Betrieb

Als Alfred Schmidt im Sommer 1945 starb, wurde vorübergehend ein Verwalter für das Residenz-Café eingesetzt. Am 31. Dezember 1948 wurde das Café durch Konditormeister Amse als „Haus Resi“ wiedereröffnet. Er führte es nur für kurze Zeit als privaten Betrieb, 1949 wurde es als „volkseigener Betrieb“ von der HO übernommen und im Laufe der Zeit von verschiedenen Gaststättenleitern geführt. Die HO behielt den Namen „Resi“ bei und hat es Anfang der 60er-Jahre renoviert und als „Lesecafé“ mit „ in- und ausländischen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Ende der 60er-Jahre wurde es völlig umgebaut. Dabei ging die ursprüngliche Einrichtung verloren. Hierzu ist ca. 20 Jahre später, am 25. März 1989 in der TLZ zu lesen, dass mit den Erneuerungsarbeiten leider ein ganzes Stück unverwechselbarer Kaffeehausatmosphäre „hinausrenoviert“ worden ist. In den letzten 30 Jahren war das „Resi“ das Stammlokal vieler Studenten der Musikhochschule und der Hochschule für Architektur und Bauwesen (heute Bauhaus-Universität). In der Zeitung war einmal zu lesen: „Der größte Lesesaal der Hochschulen Weimars befindet sich im Resi“. Von den unvergesslichen Faschingsveranstaltungen schwärmen viele der damaligen Stammgäste heute noch. Die Auflösung der HO bedeutete auch das Ende des Café „Resi“: Es wurde im Juni 1991 geschlossen.

1906 Blütezeit

Am 8. Januar 1906 übernahm Konditormeister Alfred Schmidt das Residenz-Café, das er – fast 40 Jahre lang – bis 1945 führte. Während seiner Ära wurde das Residenz-Café mehrfach umgestaltet und verschönert. Zunächst wurde durch eine Erweiterung der „Wintergarten“ geschaffen, wodurch für das Obergeschoss die Terrasse entstand; dabei hat er die Räume der oberen Etage im Biedermeierstil originalgetreu eingerichtet. Vor dem Eingang wurde die Terrasse durch ihn neugestaltet. Das Residenz-Café erlebte seine Blütezeit.
1922 weilte Ilja Ehrenburg hier und beobachtete:

„ … ehrwürdige Bürger mit hohen Stehkragen und die Trottel der hiesigen
Akademie (Bauhaus) in irgend so etwas wie konstruktivistischen Blusen … “

Eine Anekdote gibt es auch mit Marlene Dietrich, die sich in den Jahren 1918 bis 1921 als unprominente Musikschülerin in Weimar aufhielt und es danach immer wieder besuchte:

„Sie war mit ihren Freundinnen beim Eisessen im Residenz-Café und sie bekamen die Hunderttausende oder Millionen für ihre Zeche nicht zusammen (die Inflation galoppierte auf ihren Höhepunkt zu). Eine Freundin beglich mit einem Dollar die Rechnung; Marlene Dietrich war drauf und dran gewesen, ihre goldene Uhr als Pfand zu hinterlassen.“

1839 Gründung

Das Residenz-Café ist das älteste, heute noch bestehende Kaffeehaus Weimars, es blickt auf eine über 175-jährige Tradition zurück. Zwar ist die Geschichte des Kaffeehauswesens der Stadt weitere 100 Jahre älter, doch auch die Geschichte des Residenz-Cafés, zumindest die eines Raumes, reicht annähernd in diese Zeit zurück und ist eng mit den Anfängen der Klassischen Zeit Weimars verbunden.
Johann Wolfgang von Goethe hatte seine erste Weimarer Wohnung von 1776–1777 im hinter dem Residenz-Café direkt angrenzenden Nachbargebäude. Sein damaliges Wohnzimmer befand sich in dem Raum, der heute den Gästen als „Goethezimmer“ zur Verfügung steht. Das Residenz-Café wurde am 7. November 1839 vom Hofkonditormeister August Emil Theodor Ißleib gegründet.

Im „Weimarer Wochenblatt“ war damals folgende Eröffnungsanzeige zu lesen:

„Daß ich mich als Konditor etabliert habe und mein Geschäft morgen den 7. November eröffne, zeige ich dem geehrten Publikum ergebenst an, und bitte, mich sowohl mit vieler Bestellungen zu beehren, als auch mein Geschäftslokal recht zahlreich zu besuchen.“

August Ißleib übte zusätzlich seine Tätigkeit als Hofkonditormeister des Großherzoglichen Hauses aus. Hierzu wurden in der damaligen Zeit nur die besten Meister ihrer Branche herangezogen. Außerdem bestand eine Vereinbarung zwischen dem Residenz-Café und dem Hof, dass die Soldaten der neuen Hauptwache, sobald die Kälte 10° C erreicht hatte, mit Warmbier zu versorgen waren, für dessen Bezahlung die Großherzogin aufkam. Nach dem Tod von August Ißleib übernahm sein Sohn Karl Wilhelm Gustav das väterliche Geschäft. Das zu jener Zeit im Wiener Stil eingerichtete Kaffeehaus war bereits ein beliebter Treffpunkt der Weimarer Künstlerschaft. Der Historienmaler Friedrich Martersteig verkehrte hier.
W. Schulte vom Brühl berichtet in seiner 1918 erschienen Lebensgeschichte „Sechs Jahrzehnte“:

„ … Mit Martersteig, der sich nochmals als Theaterdirektor großer Musentempel bekannt machte, war ich oft in der Konditorei von Ißleib zusammen, wo Rudi von Milde, der jüngere der beiden Sängersöhne des alten Milde, der Sangessäule des Hoftheaters, unser beliebter Gesellschafter  war und erkläckliche Cognacs aufsummte … “

Nach Ißleibs Tod gab es in den Folgejahren mehrere Betreiber:

1886 Konditormeister J. M. Bauer
1887–1893 Hofkonditormeister Bertram Oberdörster, der anschließend in der Schillerstraße ein Café gründete
1895–1902 Konditormeister Eduart Kämpf, der anschließend das „Café Kaiser“ gründete
1903–1905 Konditormeister Paul Kaiser
1906–1945 Konditormeister Alfred Schmidt