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Die Geschichte des Resi

Das Residenz-Café ist das älteste, heute noch bestehende Kaffeehaus Weimars. Es blickt auf eine über 160-jährige Tradition zurück. Seine Geschichte ist eng mit den Anfängen der klassischen Zeit Weimars verbunden.
Goethe hatte seine erste Weimarer Wohnung von 1776 bis 1777 in einem Gebäude, das direkt an das Resi angrenzte. Sein damaliges Wohnzimmer befand sich in dem Raum, der heute den Gästen als »Goethe-Zimmer« zur Verfügung steht.

Das Residenz-Café wurde am 7. November 1839 vom Hofkonditormeister August Emil Theodor Ißleib gegründet. Im Weimarer Wochenblatt war damals folgende Eröffnungsanzeige zu lesen:

Historische Anzeige zur Eröffnung (August Ißleib)

August Ißleib übte zusätzlich seine Tätigkeit als Hofkonditormeister des Großherzöglichen Hauses aus. Hierzu wurden nur die besten Meister herangezogen.
Nach seinem Tod übernahm dessen Sohn, Karl Wilhelm Gustav Ißleib, das Geschäft. Das zu jener Zeit im Wiener Stil eingerichtete Kaffeehaus war bereits ein beliebter Treffpunkt der Weimarer Künstlerschaft. W. Schulte vom Brühl berichtet in seiner 1918 erschienen Lebensgeschichte »Sechs Jahrzehnte«:
»Mit Martersteig, der sich nachmals als Theaterdirektor großer Musentempel bekannt machte, war ich oft in der Konditorei von Ißleib zusammen, wo Rudi von Milde, der jüngere der beiden Sängersöhne des alten Milde, der Sangessäule des Hoftheaters, unser beliebter Gesellschafter war und erkleckliche Cognacs aufsummte.«

Nach Ißleibs Tod gab es in den Folgejahren mehrere Betreiber:

1886 Konditormeister J. M. Bauer
1887 – 1893 Hofkonditormeister Bertram Oberdörster, der anschließend in der Schillerstraße ein Café gründete, das 1907 von Konditormeister Sperling übernommen wurde.
1894 Konditormeister Brinkmeier
1895 – 1902 Konditormeister Eduard Kämpf, der anschließend das Café Kaiser gründete.
1903 – 1905 Konditormeister Paul Kaiser

Am 8. Januar 1906 übernahm Konditormeister Alfred Schmidt das Residenz-Café, das er bis 1945 führte. Während seiner Ära wurde es mehrfach umgestaltet und verschönert. Zunächst wurde durch Erweiterung der »Wintergarten« geschaffen, wodurch für das Obergeschoß die Terrasse entstand. Die Räume der oberen Etage richtete er im Biedermeierstil ein. Die Terrasse wurde durch ihn neu gestaltet.

Alfred Schmidt (fünfter von rechts)
im Kreise von Konditorenkollegen 1924

Das Café erlebte unter Schmidt eine Blütezeit. Der Maler Martersteig verkehrte häufig. 1922 weilte Ilja Ehrenburg hier und beobachtete »ehrwürdige Bürger mit hohen Stehkragen und die Trottel der hiesigen Akademie (Bauhaus) in irgend so etwas wie konstruktivistischen Blusen«.

Eine Anekdote gibt es auch mit Marlene Dietrich, die sich 1918 bis 1921 als Musikschülerin in Weimar aufgehalten und es danach immer wieder besucht hat:
»Sie war mit ihren Freundinnen beim Eisessen im Residenz-Café, und sie bekamen die Hundertausende oder Millionen für ihre Zeche nicht zusammen (die Inflation galoppierte auf ihren Höhepunkt zu). Eine Freundin beglich mit einem Dollar die Rechnung; Marlene Dietrich war drauf und dran gewesen, ihre goldene Uhr als Pfand zu hinterlassen.«

Als Alfred Schmidt im Sommer 1945 starb, wurde vorübergehend ein Verwalter eingesetzt; bis das Café gänzlich geschlossen wurde.

Am 31.12.1948 wurde das »Haus Resi« durch Konditormeister Amse wiedereröffnet. 1949 übernahm es die staatliche Handels-Organisation (HO). Sie renovierte es Anfang der 60-er Jahre als »Lesecafé« mit »in- und ausländischen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern«. Ende der 60-er wurde es völlig umgebaut, wobei die ursprüngliche Einrichtung verloren ging. Etwa zwanzig Jahre später, am 25. 3. 1989, las man in der TLZ, »daß mit den Erneuerungsarbeiten leider ein ganzes Stück einmaliger Kaffeehaus-Atmosphäre hinausrenoviert worden ist«. Das Resi wurde das Stammlokal vieler Studenten. In der Zeitung war einmal zu lesen: »Der größte Lesesaal der Hochschulen Weimars befindet sich im Resi.«

Die Auflösung der HO bedeutete auch das Ende des Resi im Juni 1991. Ein Jahr darauf wurde das Haus aufwendig saniert und neu gestaltet. Am 5. September 1992 wurde es unter seinem ursprünglichen Namen »Residenz-Café« wiedereröffnet und wird seitdem von einer Betreibergesellschaft geführt. Daß diese aus Würzburg kommt, hat nichts mit dem Brief von Goethe zu tun, der 1808 an seine Frau schrieb: »zugleich wünsche ich mir ein paar Würzburger ...«. Er meinte damit seinen Lieblingswein, den »Würzburger Stein«.

Heute ist das Resi der Szene-Treff Nummer eins in Weimar. Tagsüber sieht man dort Architekten, Verwaltungsbeamte, Museumsmitarbeiter genauso wie Studenten, die eifrig in Büchern lesen. Zur Nachmittagszeit überwiegen die Kuchenesser, die den frischgebrühten Kaffee schätzen. Zum Abend hin verwandelt sich das Publikum erneut. Dann kommen alle, die es nicht mehr auf dem heimischen Sessel hält. Das Resi ist Stammlokal von vielen berühmten oder auch weniger bekannten Menschen aus Weimar und aller Welt.

Wenn Sie mehr über die Geschichte des Residenz-Cafés wissen möchten, können wir Ihnen Das Buch zum Residenz-Café empfehlen.

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© Residenz-Café Weimar | Letzte Aktualisierung: 12.05.2017 | Betreuung dieser Seiten: yellowlabel & boeselt.net